- Interior, Kunst
Lebenselixier Kunst
Kunstbiennale in Venedig
Die Kunstbiennale in Venedig, die unter dem Titel „The Milk of Dreams steht“, fordert all unsere Sinne. Schärft und schult sie. Ich möchte Sie heute mitnehmen auf einen Rundgang durch die diesjährige 59. ,,Biennale Arte Venedig“. Die Biennale ist riesig. Und das nicht nur hinsichtlich der Menge an Exponaten und ihrer Ausdehnung – durch die ganze Stadt – sondern vor allem auch hinsichtlich ihrer Vielfalt.
Teresa Solar
Teresa Solar löst mit ihren übergroßen, an Meerestiere erinnernden Skulpturen sofort Assoziationsketten hinsichtlich des Arten – sterbens aus. Lässt aber gleichzeitig durch die Farbigkeit einen optimistischen Blick in die Zukunft zu. Die Skulpturen brauchen auch den Schonraum Architektur, sie befinden sich dadurch gleichsam in einem überdimensionierten Vitrine und wir Betrachter mit ihnen.
Tau Lewis
Was wieder einmal verdeutlicht: Wir sitzen alle im gleichen Boot. Das Thema Verantwortung zieht sich durch die meisten Beiträge. Tau Lewis hob den Begriff Upcycling in neue Sphären. Aus vielerlei Restmaterialien, die häufig an Haut, Leder oder Fell erinnern, schuf sie mächtige Fratzen, die an die Dämonen in uns erinnern. Das patchworkartige Zusammensetzen der Materialien hat zunächst einmal eine kunsthandwerkliche Herangehensweise, die sich dann auflöst in der Größe der Werke. Auch hier wieder ist der architektonische Rahmen essentieller Bestandteil der Wirkung, da er als Größenbezugsrahmen für die Objekte dient. Ihre Strahlkraft entfalten sie durch einen definierten, sie umgebenden Raum mit weißen Wänden.
Anselm Kiefers
Und dann die monumentalen Werke Anselm Kiefers. Er setzt seine Werke in eine architektonische Umgebung in der viel passiert, nämlich in die Räumlichkeiten des Dogenpalastes. Um zu seinen Werken zu gelangen muss man erst einmal zahlreiche tt.aume, tta:uen, I‘ ure unä Treppenhäuser durchschreiten. Die Architektur des Dogenpalastes mit seiner Geschichte, all dem hochwertig verarbeiteten Marmor und den aufwändigen Deckenmalereien ist fast ein Vorwort für die Kunst Anselm Kiefers. Eines hat man dann verstanden: Es geht um Macht! In seiner typischen Manier werden Kleidungsstücke, Metalle und organisches Material wie Äste zu einem großen Opus über Krieg, Verderben und Verwüstung komponiert. Die Arbeit wurde speziell für die Räumlichkeiten geschaffen und ist daher neu, was dazu führt, dass eine weitere Dimension der Kunstrezeption geschaffen wurde. Es riecht nach Ölfarbe – man kann die Kunst Anselm Kiefers regelrecht inhalieren.
Ruth Asawa
Ruth Asawa ist eine Künstlerin, die in wunderbar delikater Verarbeitung in den 195oer Jahren grazile schwebende Gebilde aus Draht schuf. Sie sind bezaubernd und leben in einer Symbiose mit ihren eigenen Schatten. Auf den ersten Blick ist oft nicht zu unterscheiden, was ist denn nun eigentlich Material und was zur zeichnung gewordenes Licht. Einmal mehr wird deutlich, dass Kunst auch eine weitere Architekturdimension ist und umgekehrt Architektur ein Rahmen für Kunst.