Maison et Objet Messe Paris

Was geht, was kommt, was bleibt?

Das sind wiederkehrende Fragen bei allen Gestalter:innen. Umso schöner ist der diesjährige Besuch der Maison & Objet, einer Interiordesignmesse in Paris. Möbel, Heimtextilien, Geschirr, Kunst und Accessoires – alles da. Eines wurde ganz deutlich: Es ist ein sehr großes Bedürfnis nach wirklich authentischen Materialien vorhanden. Da gab es Leuchten aus derbem, dickem Ton, die mit ihrer spröden, trockenen Oberfläche das Licht auf der Auenseite verschluckten und von innen wieder ausstrahlten. Man konnte förmlich spüren, wie das erdige Material manuell geformt und geknetet wurde. Oder Heimtextilen aus dem Norden Finnlands aus Schurwolle, die zu feinen Gespinsten verwoben waren und mitunter wirkten wie frisches Moos. Produkte dieser Art erzählen regelrecht Geschichten über ihr Herstellungsland, die Menschen und Mentalitäten.

Die Art der Verarbeitung

Nicht nur die Materialität ist sehr wichtig, sondern auch die Art der Verarbeitung. Der alte Gobelinwebstuhl wurde reaktiviert und mit digitaler Technologie kombiniert, um für die Kunden individualisierte Wandtextilien zu schaffen. Oder traditionelle Batiktechniken wurden ins Heute übersetzt und auf große Leuchten appliziert. überall begegnete den Besucher:innen eine sehr große Wertschätzung gegenüber traditionellen Handwerkstechniken. Aus Fertigkeiten, die schon fast ausgestorben geglaubt waren, entwickeln sich aktuell neue Geschäftszweige. So finden z.B. Berberteppich aus abgelegenen Gegenden Marokkos dank Social Media und Plattformen wie der Maison & Objet ihren Weg zum Kunden. Insgesamt auffallend war zum einen die große Sensibilität, mit der Naturmaterialien verarbeitet werden, aber auch der gestalterische Witz, der immer wieder aufblitzte: Wenn etwa Sessel derart großzügig mit Schaffell bezogen sind, dass sie selbst schon daherkamen wie ein kleines Schäflein. Spannend auch die Wertschätzung gegenüber historischen Artefakten, die es als historische Einzelstücke oder als stilistisch nachempfundene Neuinterpretationen gab. Sie hatten genug Eigenleben, um nicht als Fälschung, sondern als eigenständiges Produkt interpretiert zu werden.

 

Patina

Eines ist mir besonders aufgefallen: Viele der Produkte sind darauf ausgelegt, dass sie Patina entwickeln dürfen und sie mit Gebrauchsspuren nicht etwa hässlicher werden oder defekt wirken, sondern einfach „gut“ gealtert. Das ist es, was authentische Materialien wirklich ausmacht. Das Farbspektrum erstreckte sich über alle Naturtöne: Weiß in vielen Varianten, gerne kombiniert mit rauchigen Schwarztönen als Kontrast. Als Resümee kann ich zusammenfassend sagen, dass es Gestalter:innen noch nie so einfach gemacht wurde, sich ein designorientiertes lnteriorambiente aus Naturmaterialien zu schaffen, wie es aktuell der Fall ist. Viele der Artikel begeistern durch ihre Wandlungsfähigkeit. Je nach Wohnkontext lassen sie sich immer wieder neu kombinieren und vertragen einen lässigen, gelebten Eklektizismus, der die Persönlichkeit der Bewohner:innen spiegelt.